Mit einer Retrospektive zu Isabelle Adjani würdigen die Französische Filmtage dieses Jahr eine Ikone des französischen Kinos. Mit ihrem makellosen Porzellangesicht, ihren tiefblauen Augen und ihrem entfesselten, passionierten Spiel fasziniert sie Generationen von Zuschauern. Bereits im zarten Alter von 14 Jahren steht die Tochter eines Algerienstämmigen Vaters und einer deutschen Mutter das erste Mal vor der Kamera, mit 17 spielt sie als jüngstes Bühnenmitglied an der Comédie Francaise, mit 19 wird sie von Altmeister Francois Truffaut entdeckt. Fasziniert von ihrer Schönheit und einzigartigen Präsenz, setzt der Regisseur alles daran, sie für seine Geschichte der Adèle H. zu gewinnen. Für die Rolle der verzweifelten Tochter Victor Hugos, die aus unerwiderter Liebe in den Wahnsinn getrieben wird, erhält die junge Adjani ihre erste Oscarnominierung sowie ihren ersten von insgesamt fünf Césars. Sie avanciert zu einer Starschauspielerin des europäischen Autorenkinos und dreht u.a. mit Polanski, Herzog, Saura, Besson und Techiné, lehnt aber auch zahlreiche prestigeträchtige Projekte ab – sie hätte z.B. Godards Carmen oder Buñuels Obskures Objekt der Begierde sein können. Die eigensinnige Adjani, die in der Öffentlichkeit kaum etwas von sich preisgibt und dem Filmgeschäft bisweilen jahrelang fernbleibt, nimmt nur Rollenangebote an, die sie für „ein Ereignis in ihrem Leben“ hält. Wenn sie sich auf ein Projekt einlässt, dann mit vollkommener Hingabe. Die Frauen, die sie verkörpert, sind oft tragische Heldinnen, leidenschaftliche Romantikerinnen, und Besessene, deren Obsession bis zur Selbstzerstörung geht, aber auch kaltblütige Verführerinnen und rätselhafte Femmes fatales. Die Auswahl der sieben preisgekrönten Filme aus französischer Produktion zeigt die besondere Ausstrahlungskraft der Ausnahmeschauspielerin, von ihren Anfängen bis heute.